Presse

Kölner Stadtanzeiger, 22. Mai 2004
von Oliver Cech

In den Gewölben des Wahnsinns

goltz + silber zeigt im Filmhaus das Burroughs-Projekt „Ice Cream Man“
Die bildstarke Inszenierung kreist um Motive des Kultromans „Naked Lunch“

„Drogen. Wahn. Sinn. Rausch“ verspricht der Untertitel zum „Ice Cream Man“; das scheint hoch gegriffen. Doch wer sich vornimmt, William S. Burroughs’ Kult-Roman „Naked Lunch“ auf die Bühne zu bringen, muss ohnehin über ein gesundes Selbstbewusstein verfügen – und David Cronenbergs Verfilmung dieser Schilderung eines Drogendeliriums, aufgeladen mit orgiastischen Bildwelten, hat die Aufgabe nicht leichter gemacht. Was kann das Theater dem computeranimierten Surrealismus des Films entgegensetzen? Allerhand, das zeigt die Inszenierung von goltz + silber und an erster Stelle: Unmittelbarkeit.
Auf einer Guckkastenbühne wäre dieses Experiment mit Sinnen und Sinnverwirrung des Publikums zum Scheitern verurteilt. Doch die Kellergewölbe des Filmhauses sind ein magischer Ort für Aufführungen wie diese: Düstere Katakomben mit halbverdeckten Kammern, verbunden durch Treppen und Metallbrücken. Kein Ort, um sich niederzulassen – und wer doch versucht, sich in der üblichen Rezeptionshaltung zurückzulehnen, den reißen die unvermittelten Ausbrüche der Akteure in eine Wirklichkeit, die bedrohlicher wirkt, als manchem lieb sein dürfte. Glenn Goltz rast als Burroughs die Wände rauf und runter wie ein bekiffter Affe, und wer ihm im Weg steht, tut gut daran, zur Seite zu springen.
Dieser Typ auf Droge ist ein Gefangener seiner Kopfgeburten, der sich an imaginären Steckdosen auflädt und Feuerwehrschläuche erbricht. Burroughs’ Halluzinationen gerinnen hier zu handfester Wirklichkeit, das kracht und raucht und schlägt Funken, auch ohne Gewittermaschine. Tom Waits’ Musik gilt seit seinem Musical „The Black Rider“ als idealer Klangkörper für diese drogeninduzierten Bildwelten, keine überraschende Wahl von goltz+silber also. Erstaunlich und erfreulich dagegen, dass man auf brachiale Lautstärke, auf Reizüberflutung überhaupt verzichtet: Udo Heinz, der Mann an der Gitarre, interpretiert den titelgebenden Waits-Song „Ice Cream Man“ mit behutsamem Swing, ein Ohrenschmeichler. Vor allem in der ersten Hälfte explodiert die düstere Inszenierung von Glenn Goltz geradezu vor aberwitzigen, aufrüttelnden Bildwechseln und Gedankensprüngen. Nichts für zarte Gemüter, aber eminent unterhaltsam und sehenswert.

Kölnische Rundschau, 15. Mai 2004
von Thomas Linden
Unterwegs durch die Innenwelt

goltz + silber zeigt „Ice Cream Man“ nach William S. Burroughs

Das „Haifischbecken“ des Kölner Filmhaus ist ein guter Ort, um die von Wahnsinn, Nonsens und schwarzem Humor durchtränkten Texte von William S. Burroughs ins Bild zu setzten. Das raue Ambiente des Kellers gibt schon die
Atmosphäre eines körnigen Schwarzweißfilms vor, in dem die Sentimentalität von Hollywoods Schwarzer Serie mit der Abgründigkeit des deutschen Expressionismus verschmelzen kann.
Glenn Goltz und der Musiker Udo Heinz spielen hier zur Zeit ihr Projekt „Ice Cream Man“, das nach Motiven von Burroughs berühmten Roman „Naked Lunch“ entstand. Solist Glenn Goltz gelingt es, den Keller des Kölner Filmhauses in eine Art Innenraum eines Gehirns zu verwandeln. Wie Rauchschwaden wehen Melodien durch den Raum, Goltz selbst produziert Geräusche und jagt gleich einem Zwangsneurotiker einer Fliege hinterher. Abrupt folgen Zitate aus dem Roman und Songs von Tom Waits, die sehr präzise gesungen werden. Überzeugend wirkt auch das scheinbar disparate Nebeneinander von Bewusstseinszuständen. Burroughs´ Texten, die sich immer wieder um seine Drogenerlebnisse drehten, kommt das sehr nahe und erzeugt zugleich eine beklemmend morbide Atmosphäre.
Die Produktion, für die die Gruppe goltz+ silber verantwortlich zeichnet (Dramaturgie Nicola Bramkamp), lässt erkennen, wie intensiv man sich mit Burroughs auseinander gesetzt hat. Manche Szenen werden allerdings nicht konsequent genug ausgespielt, und hin und wieder gefällt man sich in Attitüden einer männlichen Verwegenheit, die eher ironisiert werden sollte. Eine schöne Ergänzung bildet die Filmreihe, die das Filmhaus bis zum 26. Mai zeigt. Zwar ohne die Verfilmung von „Naked Lunch“ – aber mit Janet Formans Film „The Beat Generation – An American Dream“ der einen Eindruck von jener Epoche vermittelt, in der Burroughs wichtigste Arbeiten entstanden.


Brennpunkt Tirol, Innsbruck, 27.08.2004

Von Gabi Maricic - Kaiblinger

Gelungenes Theaterexperiment

goltz+silber präsentiert „Ice Cream Man“ beim Tiroler Theaterfestival Stummer Schrei

Das experimentelle Projekt „Ice Cream Man“ orientierte sich leitmotivisch an William S. Burroughs Roman “Naked Lunch“ – mit dem er Anfang der 50er Jahre zur Leitfigur der Beat Generation avancierte – und bezog dabei Klangschöpfungen und Songs des des Musikers Tom Waits mit ein. Dramaturgisch aufbereitet wurde das Stück, das vor allem junges Publikum anzog, von Nicola Bramkamp. Der Film- und Bühnenmusilker Udo Heinz bewies sein gewaltiges Potenzial an der Gitarre. Darsteller Glenn Goltz, in dessen Händen Konzept, Realistion, sowie ein Teil der Textfassung lagen, gab ausdrucksstark, sich schwitzend im Drogenwahn windend, eine schauspielerische Höchstleistung zum Besten.


Tiroler Tageszeitung, Innsbruck, 18.08.08

Von Maria Gnad

Stummer Theater in der Herdfabrik

Die ehemalige Herdfabrik in Stumm bildete die Kulisse für den „Ice Cream Man“, eine Produktion im Rahmen des Theaterfestivals „Stummer Schrei“. Im Zwei Personen Stück brillierten Glenn Goltz und der Kölner Musiker Udo Heinz. Die Odyssee durch die Leere fand beim überwiegend jungen Publikum gr0ßen Anklang, die Schauspielerische Leistung beeindruckte.

Stadtrevue Köln, November 2004
Von Alexander Haas

Ice Cream Man

Nach der gefeierten Premiere kehren Sie jetzt beim Cut-Up-Festival im Rahmen der Art Cologne ins Filmhaus zurück: goltz+silber zeigt die szenische Adaption von Motiven aus William S. Burroughs literarischem Drogenreport “Naked Lunch“. Das Team um Schauspieler Glenn Goltz und Dramaturgin Nicola Bramkamp entwickelt eine Bilderfloge aus Wort, Bild und Musik mit Sogwirkung. Ohne in peinliche Drogenklischees abzurutschen, singt und spielt sich Goltz glaubhaft hinein in die abstrusen halluzinatorischen Flashs von Burroughs Protagonisten.