Presse

Westfalenpost
05.12.2008

Reise durch die Seelenlandschaft
von Sonja Golgowski

Stimmen aus dem Nichts, zersplitterte Seelen und ein ungewöhnlicher Überlebenskampf.
Die Schauspieler der goltz+silber Theaterproduktion führte das Publikum in die Welt der gespaltenen Persönlichkeiten. „Machen wir einen Spaziergang durch die faszinierenden Seelenlandschaft“, fordert Marie auf und meint es tatsächlich wörtlich. Vom Lutz-Foyer aus spielte sich das Ensemble quer durch die Hagener Innenstadt, immer gefolgt von den überraschten Zuschauern, die so selbst Bestandteil der Inszenierung wurden. Erstaunte Passanten verfolgten die skurrile Erscheinung mit offenen Mündern: Tanzte und sprang Roland Silbernagl doch mitten in der City wie wild herum und wechselte ohne Ankündigung die Persönlichkeit. Allein durch Veränderung der Gestik und Mimik erweckte er die verschiedenen Seelen zum Leben.

Eine kleine Zuschauergruppe erlebte jedoch ein ganz anderes Theaterstück. In einem VW-Bus wurden sie den inneren Konflikten von Pete, Walter und Vladimir (alles Jesse Inman) und den anderen hautnah ausgesetzt. Je nachdem welche Seele gerade die
Oberhand und damit das Lenkrad innehatte, fanden sie sich in der Fußgängerzone oder in einer Kneipe wieder und trafen dort die restlichen Zuschauer. Eingehüllt in die Wärme und Atmosphäre der echten Kneipe erlebte das Schauspiel eine Intensität, die auf einer normalen Bühne wohl kaum möglich gewesen wäre. Pete und Daniel tauschten sich über die Grausamkeiten in der Kindheit aus. Begleitet wurden sie dabei vom Unverständnis einer Kneipenbesuchern. Diese verkörperte, ohne es zu ahnen, die negative Fremdwahrnehmung der ernsten Erkrankung.

Dennoch ging der Abend weit über die Darstellung eines Krankheitsbildes hinaus. Die Theatergruppe stellte in Frage, ob der moderne Mensch mit seinen Wertvorstellungen und Rollenangeboten im Alltag nicht einem ähnlichen Druck unterliege.
„Stellt euch vor, ihr könntet eure Angst in ein paar Blumen verwandeln und sie zur Zierde ans Fenster stellen“, fordert Marie das Publikum auf.

Fasziniert von den Möglichkeiten der menschlichen Seele, begaben sich die Zuschauer selbst auf das nächste Level: die Realität.

Westfälische Rundschau
05.12.2008

Rasante Reise ins Ich
von Karolina Kasprzyk

Sie haben schon immer gewusst, dass mehr in Ihnen Steckt? Dan begeben sie sich in die Hände des Ensembles von „goltz+silber“. Ein Mausklick und schon wird das Computerprogamm gestartet, dass das Gehirn durchforstet nach versteckten Erlebnissen, Erfahrungen, Eigenschaften. 30 Persönlichkeiten? Kein Problem.
Aber was ist virtuelle Vision, was Realität? Anders als bei Hollywoodfilm „Vanilla Sky“, an den die „Mehr Ich!“ Idee erinnert, bleibt das offen.
Der Spaziergang durch eine gespaltene Seelenlandschft, angelehnt am Multiplen Persönlichkeitssyndrom, wird zum Roadtrip durch Hagens Innenstadt.
Extrem experimentell, ja rasant verwirrend bleibt der Gang durch die Straßen und Persönlichkeiten.